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Tag 99: Titicacasee

  • Autorenbild: Inga F.
    Inga F.
  • 16. Apr. 2022
  • 3 Min. Lesezeit

Verkehrschaos, Starkregen und Hagel! Das waren die Vorboten für unseren Trip an den Titicacasee, als wir heute La Paz verließen. Wir vertrauten fest auf den Wetterbericht und Google Maps, welche ankündigten, dass an der Copacabana die Sonne scheint und die Straßen dort frei sein sollen.


Copacabana? Kommen wir dort nicht gerade her? Natürlich ist hier nicht der Strand in Rio gemeint. Copacabana ist laut Reiseführer die schönste Stadt am Titicacasee.


Kaum hatten wir die Stadt La Paz hinter uns gelassen, riss der Himmel tatsächlich auf und strahlender Sonnenschein ließ die grünen Hügel um uns herum aussehen wie in Schottland. Nur halt auf 3.800 Meter. Und mit Alpacas.


Falls ihr euch fragt, ob das nicht gefährlich ist, einfach mal auf knapp 4.000 Meter hoch zu fahren: Natürlich muss man ein bisschen was beachten und auf seinen Körper hören. Angefangen haben wir auf seichten 400 Metern in Santa Cruz, was nicht viel höher liegt als München. Dann sind wir für knapp eine Woche nach Cochabamba gefahren, was auf circa 2.500 Metern liegt. Wenn du aus Südostasien kommst und tropisches Klima in Verbindung mit deinem Lebensmittelpunkt auf Meeresspiegelhöhe gewohnt bist, kann es sein, dass du ab dieser Höhe die Höhenkrankheit bekommst.


Der Körper passt sich an kaltes Wetter ähnlich an, wie an Höhe. Schließlich kannst du als Nordfiese, der auf Seehöhe aufgewachsen ist, trotzdem auf die Zugspitze mit knapp 3.000 Meter fahren, ohne die Höhenkrankheit zu bekommen. Deshalb sollte eine Höhe von 2.000-3.000m für dich als Westeuropäer kein Problem darstellen. Dennoch wirst du die Höhe merken: Leichte Kurzatmigkeit und ganz geringe Kopfschmerzen können auftreten und legen sich nach ein paar Tagen. Auf gar keinen Fall höher aufsteigen oder Sport treiben, bis du dich angepasst hast.


Auf der Fahrt nach La Paz mussten wir schon hin und wieder den Druckausgleich machen und auch in La Paz auf 3.800 Metern haben wir es erstmal ruhig angehen lassen. Auf dem Weg in unser Airbnb in den dritten Stock ging uns ordentlich die Pumpe. Als wir unsere Taschen rauf brachten mussten wir sogar jedes Stockwerk Pause machen. Auch hier legte sich die Abgeschlagenheit und die Kurzatmigkeit nach circa zwei Tagen. Die Höhenkrankheit zeigt sich durch starke Kopfschmerzen, Übelkeit, verschwommene Sicht usw. Solltest du dich ständig besoffen fühlen, ohne etwas getrunken zu haben, hilft nur zwingend die Abfahrt auf weniger Höhe.


Lange Rede kurzer Sinn: Da wir bereits an die Höhe angepasst waren, war die Fahrt zum Titicacasee, wo wir kurzzeitig auf über 4.000 Meter waren, für uns kein Problem.


Den ersten Blick auf den Titicacasee konnten wir in Huatajata, circa 90 km und knapp zwei Stunden nach Abfahrt, werfen.

Um zur Copacabana zu kommen, fährt man erst zum Port de Tiquina, von wo eine Fähre über diese Engstelle übersetzt. Auf dieser Wasserstraße herrschte ein ähnliches Chaos, wie auf den Landstraßen: Viele kleine Fähren schlingerten über den See und legten ohne erkennbare Reihenfolge an den Bootssteg an, an den drei Fähren passten.


Nach kurzer Wartezeit winkte uns einer der Fährmänner über eine wackelige Holzrampe auf die Fähre. Der Boden der Fähre bestand ebenfalls aus losen Holzbrettern, was nicht besonders vertrauenserweckend aussah. Idyllische Überfahrt über das klare tiefblaue Wasser des Sees dauerte nur wenige Minuten. Dann waren wir wieder im Wasserverkehrschaos auf der anderen Uferseite angelangt. Eine Fähre meinte, unsere überholen zu müssen, als wir bereits im Anlegevorgang waren. Dabei touchierten sich die Fähren leicht. Da dies niemanden groß zu beunruhigen schien, hatte auch ich weiterhin die Hoffnung, dass wir heil und trocken Fußes am anderen Ufer ankommen werden, was sich auch bewahrheitete.

Jetzt fuhren wir noch circa 40 km bei beeindruckender Kulisse durch die Berge mit ständigem Blick auf den größten Süßwassersee Südamerikas.

Die Copacabana hier erinnert tatsächlich ein bisschen an das "Original" in Rio. Umgeben von den Bergen und mit Blick auf das Wasser, haben wir dann erstmal Fisch zu Mittag gegessen. Ich habe immer die leise Hoffnung, dass der Fisch lokal gefangen wird. Obwohl ich schon mal gehört habe, dass Bolivien die Bachforellen aus Kanada importiert ...


Wie dem auch sei, nach dem Essen haben wir einen Spaziergang an der Costanera (Küstenstraße) gemacht. Dabei sind uns die vielen mit Blumen geschmückten Autos aufgefallen. Zuerst dachte ich an eine Hochzeit. Doch dafür waren die Fahrer der Autos nicht schick genug gekleidet. Dann wurde uns erzählt, dass Copacabana ein Wallfahrtsort ist, an denen die Menschen kommen, um ihre Autos segnen zu lassen. Auf einmal ergaben auch die Frauen, die Blumen an der Ruta 2 verkauften, einen Sinn.


Als es langsam dämmerte, fuhren wir zurück. Schließlich wollten wir ungerne im Dunkeln fahren. Dass abends eventuell weniger Verkehrschaos in La Paz herrschen würde, stellte sich als schönen Tagtraum heraus. Da wo tagsüber die Ruta 1 mit Markständen und Vieh blockiert war, liefen abends die Jahrmarkt- und Partygäste herum. Da wir eh nur in Schrittgeschwindigkeit voran kamen, konnten wir immerhin die traditionelle bolivianische Tracht bestaunen, die die Menschen hier zur Schau trugen. Was für ein Unterschied zu Santa Cruz!

 
 
 

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