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Tag 89: Auto ausleihen mit Hindernissen

Für heute hatten wir unser Auto bei Europcar für die zwei Wochen Rundreise durch Bolivien vorbestellt. Im Prinzip mussten wir jetzt nur noch hingehen, bezahlen und losfahren. Dachten wir...


Als wir pünktlich um 11 Uhr bei der Autovermietung waren, mussten wir erstmal eine Stunde warten, weil die eine Mitarbeiterin leider nicht wusste, welche Formulare wir ausfüllen müssen. Als der andere Mitarbeiter dann endlich Zeit für uns hatte, sollten wir unterschreiben, dass wir das Auto nur auf befestigten Straßen fahren und nur in der Tiefgarage parken würden. Wir sagten, dass quasi unmöglich ist, weil eigentlich nur die innerstädtischen Straßen asphaltiert waren und die wenigsten Hotels hier Tiefgaragen haben.


Dann wurde ewig hin und her telefoniert. Wir dachten uns: Ach komm, wird schon gut gehen und unterschrieben, damit wir endlich los fahren konnten. Ich wollte das Auto bezahlen. Das ging aber nicht, weil Max als Fahrer eingetragen werden sollte. Es konnte nur der Fahrer den Mietwagen bezahlen. Als Max mit seiner Kreditkarte bezahlen wollte, sagte der Typ, dass er seine Karte nicht annehmen konnte, weil die Kreditkartennummer nur aufgedruckt und nicht eingeprägt war.


Die dritte Kreditkarte war dann wohl gut genug. Der Mitarbeiter rief mit seinem Handy irgendwo an, gab alle Kreditkartendaten durch und sagte dann, dass das Konto angeblich nicht gedeckt sei. Also musste Kreditkarte Nummer vier her. Gleiches Prozedere, gleiches Ergebnis. Weil es so schön war, probierten wir es dann doch mit meiner Kreditkarte. Auch abgelehnt. Ist ja auch logisch: Könnte ja jeder kommen und versuchen mit meinen Kreditkartendaten Zahlungen vorzunehmen. Dafür gibt es ja diese Zwei-Faktor-Identifizierung, etc.


Uns wurde es zu blöd und wir sind gegangen. Ganz in der Nähe gab es einen weiteren Autoverleih. Wir sind dann dorthin gegangen. Die hatten für ein paar Euro mehr am Tag ein größeres Auto (einen Suzuki Grand Vitara statt einen Jimny) und wir konnten beide als Fahrer eingetragen werden. Wir mussten keine Schwachsinns-Formulare ausfüllen und mit Kreditkarte bezahlen. Also bis jetzt können wir Barron Rent A Car stark empfehlen.

Und die Moral von der Geschicht': Hier in Südamerika planen ist total hinfällig, weil es eh immer anders kommt, als man denkt... Immerhin konnten wir jetzt aufbrechen nach Samaipata. Wir haben dort ein Airbnb gefunden, was mitten in einem kleinen Zoo gelegen ist.


Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass man bei Regen kaum die Stadt mit dem Auto verlassen kann, weil vieles überschwemmt ist. Zwar hatte es den ganzen Morgen genieselt aber wir fuhren trotzdem los. Wenn auch mit etwas mulmigen Gefühl.


Tatsächlich waren die Straßen außerhalb von Santa Cruz unasphaltiert und durch den Regen aufgeweicht und moderig. Ungefähr eine Stunde nach Abfahrt, bedeutete ein wild gestikulierender Mann, dass wir anhalten sollten. Wir trauten dem ganzen nicht, weil wir nicht überfallen werden wollten. Also fuhren wir langsam weiter. Wenige Meter später sahen wir, warum der Mann wollte, dass wir anhalten. Ein schaukelnder 40-Tonner kam auf uns zugeschlingert. Max konnte soweit zurücksetzen, dass der Lkw an uns vorbeifahren bzw. -rutschen konnte.

Wir konnten unseren kleinen SUV einfach bergab in Schrittgeschwindigkeit über die Holperpiste rollen lassen. Die Lkw hatten es da deutlich schwerer. Die Lkw-Beifahrer stiegen aus und überquerten die Passage zu Fuß, während fünf Bauarbeiter damit beschäftigt waren, Sand unter die durchdrehenden Reifen zu schaufeln. Die meisten kamen mit Schlingern und Rutschen voran. Einige packten es nicht und ließen sich rückwärts wieder auf Anfang rollen.


Als wir dieses Spektakel ungefähr eine Stunde beobachtet hatten, blieb irgendwann ein Lkw kurz vor uns stecken. Das bedeutete, dass die schwierige Matschstelle zwar frei war aber kein weiterer Lkw losfahren konnte, weil sie nicht aneinander vorbei passten. Das war unsere Chance. Wir ließen den ungeduldigen Taxifahrer hinter uns durchfahren und ließen uns dann über die zerfurchte Straße rollen. Das wichtigste hier war, nicht anzuhalten, auch wenn man hin und wieder etwas nach rechts oder links gerutscht ist.


Danach wurde es deutlich weniger abenteuerlich. Mit gemütlichen 30 km/h ging es die Serpentinen entlang bis nach Samaipata. Wir waren wirklich froh, als wir den kleinen Tierpark erreichten und gingen direkt ins Bett.

 
 
 

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