Tag 77: Favela Santa Marta
- Inga F.

- 22. März 2022
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. März 2022
Ein Kumpel, den wir in Capo Polonio getroffen hatten, hat uns diese Favela Tour empfohlen. Wir waren neugierig und wollten wissen, wie die Menschen dort wohnen. Die Reiseführerin haben wir an einer Tankstelle unterhalb der Favela getroffen. Dann sind wir mit der Zahnradbahn hochgefahren. Sie erzählte uns, dass die ältesten Häuser in der Favela oben auf dem Berg stehen. Hier haben sich die ersten befreiten Sklaven niedergelassen, als sich die nach der Kolonialisierung Portugiesen zurückzogen.

Die Zahnradbahn wurde gebaut, damit auch alte Menschen den Aufstieg schaffen. Schließlich ist das da hoch ein ordentlicher Fußmarsch. Da die meisten Menschen, die hier wohnen wenig Geld haben, ist die Zahnradbahn kostenlos.

Oben angekommen, wurden wir von einem misstrauischen Typen mit Gewehr begrüßt. Zum Glück kennt unser Guide Juliana die Leute hier. Außerdem gibt es hier oben auch eine Polizeistation. Dadurch fühlten wir uns dann ein bisschen sicherer.

Man stellt sich das Leben in den Favelas elendig vor. Aber in Wirklichkeit leben hier ganz normale Leute. Man wird gegrüßt, wenn man durch die Straßen geht, es gibt hier einen kostenlosen Kindergarten, ein Postamt und Kioske. Juliana erzählte uns, dass einige Menschen hier wohnen bleiben, obwohl sie sich leisten könnten, weg zu gehen, weil sie die Gemeinschaft hier schätzen.

Die Leute freuten sich offensichtlich uns zu sehen. Durch die Touristen kommt Geld in die Favelas. Die meisten Menschen hier gehen unten in der Stadt ganz normalen Tätigkeiten nach. Aber natürlich verdienen Menschen hier auch mit Drogenverkauf ihr Geld. Juliana erzählte uns, dass das Drogenproblem unter Kontrolle sei. Zwar wird immer noch Marihuana verkauft aber keine harten Drogen mehr.

Die Polizei und die Drogendealer scheinen hier in relativ friedlicher Koexistenz zu leben. Zwar haben wir keine Polizisten sondern nur bewaffnete Dealer in den Straßen der Favelas getroffen, doch wir sind an der Polizeiwache vorbei gegangen. Keine Zäune, die Streifenwagen stehen draußen auf der Straße und die Tür stand offen. Man scheint sich hier wohl nicht voreinander zu fürchten.

Der ganze Stolz der Favela ist ein kleiner Platz auf dem Michael Jackson sein Musikvideo zu "They don't care about us" gedreht hat. Hier steht eine lebensgroße Statur von ihm und ein buntes Mosaik von seinem Gesicht wurde an einer Hauswand befestigt. Einige der Favelabewohner haben darin sogar mitgespielt. Auch andere Prominente wie Alicia Keys haben bereits die gleiche Führung wie wir bekommen.

Diese Tour war eine der beeindruckendsten Dinge, die wir in Südamerika bereits gemacht haben. Natürlich stellten wir uns die Frage, ob wir hier "Poverty Tourism" betreiben. Wir denken allerdings nicht, das es das ist. Das Geld, was man für die Führung bezahlt, kommt der Gemeinde zu gute. Außerdem konnten wir unsere Vorurteile und Berührungsängste abbauen. Was ist schließlich die Alternative? Ängstlich wegzusehen und sich wieder am Cristo mit den anderen Touris zu drängeln?

Ich persönlich habe einen neuen Blick auf das Ganze bekommen: Du kannst entweder unten in der Stadt wohnen, das fünffache an Miete bezahlen oder oben in der Favela mit diesem traumhaften Blick über die Stadt.





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