top of page

Tag 155-158: Cueva de los Tayos

  • Autorenbild: Inga F.
    Inga F.
  • 20. Juni 2022
  • 7 Min. Lesezeit

Dies ist wieder so ein verrücktes Abenteuer nach dem Motto: Die Zeit deines Lebens mit Leuten haben, die du gerade erst getroffen hast. Max und ich kennen Patrick ja schon seit Buenos Aires, also seit Februar. Franzi und Matze aus Augsburg hat Patrick erst vor wenigen Wochen in Medellin kennen gelernt und sie ebenfalls zu diesem verrückten Ausflug überredet. Unsere Guides in deren Hände wir unser Leben quasi legen, lernten wir erst einen Abend vorher in Limon kennen.

Nach einer Nacht in Limon ging es circa zwei Stunden mit dem Auto in den Dschungel. Dann wurde unser gesamtes Equipment auf ein Boot geladen und es ging circa eine halbe Stunde flußabwärts. Wir als wir einiges an Ausrüstung auf ein Pferd geladen hatten, setzten wir nochmal über und marschierten circa eine Stunde durch den Dschungel. Bei einer kurzen Pause konnten wir an einer Liane schwingen.

Nach einer weiteren Stunde Fußmarsch kamen wir in einer kleinen indigenen Liegenschaft an. Hier konnten wir uns waschen und Mittagessen.

Danach nahmen wir an einer Zeremonie teil, bei der wir die Erlaubnis bekamen, die Höhle betreten zu dürfen. Die Schamanin gab uns allen indigene Namen und zeichnete uns mit roter Farbe, die aus einer Frucht gewonnen wird, ein Muster ins Gesicht. Als wir gesegnet waren, zogen wir weiter.

Bei der Höhle angekommen, zogen wir unsere Klettergurte an und übten das abseilen an einem Übungsseil. Dann ging es auch schon 50 Meter in die Tiefe. Da ich Höhenangst habe, habe ich die ersten 20 Meter lieber nicht nach unten gesehen. Ich habe stoisch mein Stop (das Abseilgerät) oder an die Höhlenwand gestarrt. Ungefähr auf halber Strecke nahm ich aus dem Augenwinkel einen Schatten wahr. Außerdem hörte ich krächzende fast schon unwirklich klingende Schreie. Ich dachte, dass mir die Leute, die bereits unten waren, mir einen Streich spielten. Als ob ich nicht schon genug Angst hätte. Ich verfluchte ich Patrick dafür, uns zu dieser Höhlentour überredet zu haben.

Als ich unten war, hörte immer noch diese Laute aber es war jetzt eindeutig, dass keiner der anderen Teilnehmer diese von sich gab. Die Expeditionsleiter erklärten uns, dass dies die Tayos-Vögel waren, die hier unten in der Höhle lebten. Nur, dass sie eher wie Raubtiere klangen, als wie Vögel.

Hier hatten wir zwar noch Sonnenlicht, aber sobald wir 100 Meter in die Höhle hinein gekraxelt waren, mussten wir unsere Stirnlampen einschalten. Hier warteten auch die ersten Krabbeltiere auf uns: Winzige Skorpione und Taranteln saßen hier auf den Steinen. Außerdem sahen wir eine Heuschreckenart, die sehr spinnenmäßig aussah. Unser Guide Cari nahm eine von denen auf die Hand und reichte sie rum. Ich musste passen. Mein Pensum an Überwindung war für heute erschöpft.

Ein weiteres Mal mussten wir uns über einen Wassergraben anseilen und dann ging es in Richtung Base Camp. Da an dem Ort, an dem sie normalerweise ihr Base Camp aufschlugen bereits Leute campten, die sphärische Musik hörten, zogen wir uns tiefer in die Höhle zurück. Hier war es sowieso schöner, weil es deutlich ruhiger war. Hier waren wenig Tayos, die laut krächzten.

Die erste Nacht auf der dünnen Isomatte war wirklich unbequem. Als ich mitten in der Nacht aufwachte, weil mir alles wehtat und sich doch einige Tayos hier runter verirrt hatten, vertrieb ich mir die Zeit damit, mir auszumalen, was hier unten alles schief gehen konnte: Was, wenn es ein Erdbeben gibt oder Starkregen und die Höhle mit Wasser vollläuft? Von der ganzen Grübelei war ich so müde, dass ich noch ein paar Stunden schlafen konnte.

Am nächsten Tag wollten wir die Höhle erkunden. Insgesamt gab es 4,6 km Gangsystem hier unten. Um mal wieder Tageslicht zu sehen, gingen wir zu einer Felsspalte, die sehr passend "Daylight" hieß. Hier schauten wir 90 Meter nach oben und konnten etwas Sonne genießen.

Wir erkundeten eine Galerie, was im Prinzip eine große unterirdische Halle ist. Mit ihrer domähnlichen Kuppel war es schwer zu glauben, dass diese nicht menschengemacht ist sondern über Jahrmillionen durch Plattentektonik entstanden ist.

Je tiefer wir in die Höhle hineingingen, desto mehr Stalaktiten und Stalakniten sahen wir. Das Wasser, was durch die kalkhaltigen Decken der Höhle tropft, löst diesen heraus und formt die Stalaktiten, die von der Decke hängen oder die Stalakniten, die aus dem Boden wachsen. Natürlich ist dies ein sehr langsamer Prozess, der über Jahrhunderte vonstatten geht.

Der wohl berühmteste Stalaknit ist der, an den sich Neil Armstrong schon einmal gelehnt hat. Dieser befindet sich an dem einem Ende der Höhle. Es gibt eine Theorie, die besagt, dass in dieser Höhle Metallplatten gelagert waren, auf denen das gesamte Wissen über die Entstehung der Menschheit niedergeschrieben steht. Angeblich sollen diese durch die Mission, an der auch Neil Armstrong teilnahm, aus der Höhle geschafft worden sein. Ob dies stimmt oder nicht, sei mal dahingestellt. Auf jeden Fall kann ich verstehen, dass diese Höhle etwas Mystisches hat. Gerade durch die "Architektur" der Höhle, die mit rechten Winkeln ausgestatteten Höhlengänge und die kathedralenartigen Räume, beflügeln natürlich die Fantasie. Jetzt kann man sich auch ungefähr vorstellen, wo die Spielemacher von "Sykrim" oder "Gothic" ihre Ideen her haben. Natürlich haben wir das legendäre Foto von Neil Armstrong nachgestellt (linkes Foto von https://astrocienciasecu.blogspot.com):

Als nächstes wollten wir einen Wasserfall hochkraxeln. Dafür seilten wir uns auf, bis es nur noch leicht ansteigend war und wir wieder ganz normal weiter gehen konnten. Hier unten gab es sogar Krabben. Wahrscheinlich kommen die durch den Höhleneingang, der nur durch den Fluss erreichbar ist, hier rein. Weiter ging es über Geröll und Felsbrocken. Einige Stellen waren so eng, dass wir dort auf allen Vieren hindurch krabbeln mussten. Am Ende des Ganges wartete natürlich eine weitere Galerie auf uns.

Alles, was wir erklommen hatten, mussten wir natürlich auch wieder runter. Also seilten wir uns an einer anderen Stelle ab, wo wir in einer gigantischen Galerie ankamen.

Endlich hatten wir Zeit, zu verschnaufen. Es gab Sandwiches und ich konnte endlich das Wasser aus meinen Gummistiefeln kippen, was sich dort bei der Wasserfallkletterei angesammelt hatte. Dabei stellte ich fest, dass sich selbst mein Blasenpflaster aufgerieben hatte. Wir wurden vor die Wahl gestellt: Entweder den letzten Gang der Höhle erkunden und noch einen Wasserfall und noch eine Galerie sehen oder zurück zum Camp gehen. Mir war trockene Kleidung und ein Nickerchen wichtiger, als noch mehr Wasser und Steine zu sehen, also gingen Max und ich zurück zum Camp. Die anderen gingen noch weiter und erkundeten den Rest der Höhle.

Eine/r vom indigenen Dorf muss die Höhlen-Expeditionen immer begleiten, so ist es deren Vorschrift. Der Indigene, der bei uns mit war, hieß Alex und begleitete uns zurück zum Camp. Er ist nicht besonders redefreudig und wirkt gelegentlich etwas abweisend, weil er Fragen entweder gar nicht oder nur einsilbig beantwortet. Ungefähr 200 Meter von unserem Camp entfernt befindet sich ein kleiner Wasserfall, an dem man sich waschen kann. Während die anderen zum Camp gingen, wollte ich unten bleiben, um meine Sachen zu waschen. Ich sagte zu Alex, dass er doch bitte in Rufweite bleiben sollte, falls etwas sein sollte. Es brauchte schließlich nur meine Stirnlampe ausfallen und ich hätte im Stockdunkeln niemals den Weg zum Camp gefunden. Alex wartete also nicht nur am Campeingang auf mich sondern stellte auch noch Lichter auf, damit ich den Weg besser fand. Mir zeigte das, dass es nicht die großen Worte sind, die den Respekt zueinander ausdrücken, sondern eher die kleinen Gesten, die Vertrauen schaffen. Überhaupt hatte uns dieses Abenteuer als Gruppe zusammengeschweißt. Aus komplett unbekannten aus sehr unterschiedlichen Kulturkreisen kommenden Individuen sind Freunde geworden.

Als alle im Camp eingetrudelt waren, wurde das Abendessen vorbereitet. Allen, die nicht mit Kochen beschäftigt waren, brachten wir das Kartenspiel UNO bei. Nach dem Abendessen wurde es etwas anspruchsvoller: Wir spielten Yatzy. Während wir den Ecuadorianern dieses Spiel erklärten, kam es uns wahnsinnig Deutsch vor: Die Regeln sind zwar sehr präzise aber auch unlogisch und umständlich. Man muss zählen, rechnen und schreiben. Außerdem gibt es immer mehrere Möglichkeiten, die sich alle irgendwie falsch anfühlen und es dauert ewig. Dementsprechend hielt sich in den ersten paar Runden der Spaßfaktor auf Steuererklärungsniveau. Doch als es alle halbwegs geblickt hatten, wurde es noch sehr lustig.

Die zweite Nacht schlief ich wirklich gut in der Höhle. Wahrscheinlich, weil ich so erschöpft war. Aber auf jeden Fall konnte ich genug Energie für den Aufstieg sammeln. Wir gingen also zurück zu der Felsspalte, durch die wir uns abgeseilt hatten. Davor war wieder der Wassergraben, der zum Glück schon deutlich kleiner geworden war, aber dennoch mussten wir uns hier ungefähr vier Meter wieder hochseilen. Dies war eine gute Übung, um sich auf die kommenden 50 Meter vorzubereiten. Auch wenn ich echt Bammel hatte, und das Aufseilen wahnsinnig anstrengend fand, entschloss ich mich dazu, selber den Aufstieg zu machen, anstatt mich hochziehen zu lassen.

Das Aufseilen funktioniert im Prinzip so, dass man ein Gerät am Seil hochführt, was Widerhaken hat, sodass es nur in eine Richtung geführt werden kann. an dem Gerät ist eine Fußschlaufe befestigt, sodass man seine Beine benutzen kann, statt alles aus den Armen machen zu müssen. 50 Meter Seil kommen also ungefähr 200 Kniebeugen gleich plus Höhenangst. Gefühlt habe ich eine halbe Ewigkeit gebraucht. Aber in Wirklichkeit waren es nur zehn Minuten oder so. Als ich oben war und dachte, dass ich den anstrengensten Teil hinter mich gebracht hätte, mussten wir das gesamte Equipment noch hochziehen.

Als alle Rucksäcke, das Kochgeschirr, die Zelte und die ganze andere Ausrüstung oben waren, traten wir unseren Rückweg zum indigenen Dorf an. Hier gab es noch einmal Mittagessen. Da es Probleme mit dem Pferd gab, dass die Ausrüstung trug, mussten wir länger als geplant im Dorf warten. Also hatten wir Zeit, den Affen "Pancho" zu bespaßen, der hier aufgezogen wurde. Das wurde nicht langweilig, weil er sich sehr für unsere Snacks und Elektrogeräte interessierte.

Als wir endlich weitergehen konnten und beim Fluß ankamen, konnten wir dort baden gehen und den gröbsten Dreck von unseren Schuhen und unserer Ausrüstung waschen. Dann ging es mit dem Boot zurück zum Ausgangspunkt. Hier mussten wir wieder auf das Pferd warten. Also gab es ein Abschlussbier, um uns die Wartezeit zu vertreiben. Eine Stunde später konnte endlich die gesamte Ausrüstung auf den Pickups verstaut werden und es ging in Richtung Limon. Zum krönenden Abschluss ging es Wäsche waschen und Pizza essen. Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen und wir fuhren zurück nach Guayaquil.



Kommentare


  • Instagram
  • Facebook
  • YouTube

©2021 Agni Yoga & Travel. Erstellt mit Wix.com

bottom of page