Tag 122-126: Islas del Rosario
- Inga F.

- 16. Juni 2022
- 4 Min. Lesezeit
Heute sind wir mit dem Taxi zum Hafen gefahren, weil wir mit dem Boot zur Isla Grande rausfahren wollten. Nach einer guten Stunde Vollgas durchs Meer waren wir dann da.

Unser Hostel Arte y Adventura lag mitten in einem Mangrovenwald und war komplett aus Holz gebaut. Keine Klimaanlage, keine Fenster und kein fließend Wasser. Natur pur also. Die Nasszelle bestand aus einem Klo, was man mit einem Bottich Salzwasser spülte und die Dusche aus einem Bottich Süßwasser, dass man sich mit einer Schüssel über den Kopf gießen kann.

Die Insel konnten wir zu Fuß erkunden. Autos gab es sowieso nicht, braucht man hier aber auch nicht, weil man die Insel in maximal 40 Minuten zu Fuß durchquert hat.

Am ersten Nachmittag waren wir am bei La Playita. Dort war ordentlich was los, bis die Touri-Boote wieder in Richtung Festland abgelegt hatte. Nach 15 Uhr teilten wir uns den Strand also nur mit dem Wind und einigen Hunden.

Am zweiten Tag waren wir um 8 Uhr morgens am Playa Libre. Dort wartete kristallklares Wasser und totale Stille auf uns. Dies hielt ziemlich genau eine Stunde an, bis wieder die Partyboote vom Festland eintrafen.

Mittags kam ein Fischer vorbei, der uns eine zappelnde Languste vor das Gesicht hielt und fragte, ob wir Mittagessen wollen. Natürlich wollten wir fangfrischen Fisch essen.

Die Mittagszeit ist auch ein guter Zeitpunkt, die Sonne zu meiden. Die UV-Strahlen-Skala reicht in Europa von 0-10. 10 hat man nur im Hochsommer in Italien oder Griechenland am Meer. Hier in der Karibik liegt die UV-Strahlung bei 12-15. Bedeutet, dass ich selbst im Schatten mit Sonnencreme einen leichten Sonnenbrand hatte.

Als es dunkel wurde, entschieden wir uns dafür, uns leuchtendes Plankton anzusehen. Dafür wurden wir mit dem Kanu von unserem Hostel aus zu einer Lagune gefahren. Dort bekamen wir einen Schnorchel und konnten uns Unterwasser dieses Naturschauspiel ansehen. Das Plankton reagiert auf Bewegung. Bedeutet, wenn man mit den Händen durch das Wasser streicht, leuchten viele kleine Punkte auf. In etwa so wie Glühwürmchen nur deutlich kleiner und Unterwasser. Je tiefer man taucht, desto heller leuchtet das Plankton. Vielleicht, weil es circa 2 Meter unter der Wasseroberfläche nochmal deutlich dunkler ist oder weil das Plankton warmes Wasser liebt. Komischerweise war das Wasser weiter unten in der Lagune deutlich wärmer
Dies war so eine schöne Erfahrung! Wir haben nur nicht verstanden, warum wir mit dem Kanu raus zu der Lagune gefahren sind, weil uns auf dem Rückweg auffiel, dass es bei unserem Hausstrand auch leuchtendes Plankton gibt... Auf jeden Fall war es sehr beruhigend durch die Stille und Dunkelheit sich paddeln zu lassen.

Da unsere Unterkunft sehr basic ist, entschieden wir uns an dritten Tag für ein bisschen Luxus. Also sind wir zum Bora Bora Club ans andere Ende der Insel gegangen. Vor Ort mussten wir ein bisschen suchen. Also fragten wir einen Mann, der mit seiner Familien in einer Wellblechhütte wohnte, nach dem Weg. Schon merkwürdig: Hier im Bora Bora Club werden die Leute aus Miami eingeflogen, die hier für 1.000 USD Champagner trinken, während sich die Familie im Nachbarhaus kaum was zu Essen leisten kann. Aber das sehen die ja nicht, weil das Gelände fein säuberlich mit einem blickdichten Zaun umzäumt ist.

Weil wir uns an unserem dritten Strandtag ein bisschen langweilten, suchten wir uns Leute, mit denen wir Bier trinken konnten. Wir stießen auf drei New Yorker und setzten uns zu ihnen. Sie sagten, dass sie sich ein Privatboot gemietet hatten, dass sie von Cartagena hier her gefahren hat. Aus Spaß sagte ich, dass das gut passt, weil wir eh noch die Hacienda von Pablo Escobar sehen wollten. Sie sagten, dass sie die schon gesehen hätten und die nicht weit von hier ist. Also fuhren wir los.

Die Hacienda ist ein riesiges weißes Gebäude direkt am Ufer. Hier soll wohl auch der Film Bad Boys gedreht worden sein. Gegenüber von der Villa ist Escobars Flugplatz. Natürlich auch verlassen und verfallen. Weil der Sprit des Bootes nicht für eine Inselrundfahrt ausreichen würde, ankerten wir und gingen Baden und tranken noch ein paar Bier. Gegen Abend mussten sie zurück fahren und sie setzten uns wieder beim Bora Bora Club ab. Jetzt wo die ganzen Boote ablegten, hatten wir den Strand wieder für uns.

Unsere letzte Nacht stand bevor und es brach ein Gewitter aus, dass ich so noch nicht erlebt hatte. Es muss direkt über uns gewesen sein, weil Blitz und Donner quasi gleichzeitig loslegten. Dadurch, dass wir keine Fenster hatten, drücke es den Regen horizontal ins Zimmer. Immerhin war die schwüle drückende Hitze jetzt Geschichte.
Da wir von Cartagena noch nach Santa Marta weiterfahren wollten, wollten wir das Boot um 6:30 Uhr zum Festland nehmen. Als ich um 6:20 Uhr bemerkte, dass wir den Wecker um 6 Uhr wahrscheinlich nicht gehört hatten, weil es immer noch hin und wieder donnerte, packten wir schnell unser Zeug und gingen zum Steg.

Nach 1,5 Stunden Wartezeit, als wir gerade diskutierten, ob wir nochmal zum Hostel zurück gehen sollten, kam endlich das Boot. Es war rappelvoll, aber wir konnten uns noch dazu quetschen. Da dies das Boot für die Einheimischen und Arbeiter/innen ist, wurden wir nicht am Touri-Hafen abgesetzt, von dem wir hingefahren sind, sondern an einem anderen Hafen. Dies war diese Art von Hafen, den man als Tourist normalerweise meidet. Hier haben sich die Menschen Unterkünfte aus Müll gebaut, auf dem Boden liegen Fischüberreste herum und es wimmelt von Leuten, die riesige Säcke auf winzige Boote luden.
Wir waren wirklich froh, als wir im Uber saßen. Vom Busbahnhof in Cartagena ging es dann nach Santa Marta.




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