Tag 115: Comuna 13
- Inga F.

- 30. Mai 2022
- 3 Min. Lesezeit
Da wir Fans der Netflix-Serie „Narcos“ sind, wollten wir wissen, wie viel dieser Story der Wahrheit entspricht. Also sind wir an den Ort des Geschehens gegangen und haben uns einer Comuna-13-Tour angeschlossen.

Medellin besteht aus 16 Comunas, die in sechs Zonen unterteilt sind. Die Comuna 13 liegt in der ärmsten der Zonen. Diese Kommune ist bei den Drogendealern beliebt, weil sie aus sechs Hügeln besteht, von denen aus man einen guten Überblick über die Stadt hat und die Comuna 13 grenzt an den Dschungel, in dem man sich verstecken kann. Das Wichtigste für die Gangster ist, dass die Kommune an die Autobahn grenzt, von der aus man das Kokain an die Küste bringen kann.

Unser 23-jähriger Guide ist in dieser Comuna aufgewachsen. Er hat die Straßenschlachten zwischen Drogenhändlern, Polizei und Paramilitärs live miterlebt. Und natürlich auch den Aufstieg der Stadt. Wichtig dafür war ein Friedensvertag der Gruppen untereinander. Dadurch hat sich der Drogenhandel natürlich nicht in Luft aufgelöst, aber die Menschen können in Frieden in der Comuna 13 wohnen. Auch wenn Stiven (unser Guide) bis heute zwei Prozent Steuern an das Drogenkartell zahlen muss.
Wie das funktioniert? Sie wissen, was Stiven beruflich macht (Tourguide), weil sie ihn beobachten, überschlagen, was er verdient und kommen dann bei seinem Haus vorbei, um das Geld zu fordern. Für uns eine unheimliche Vorstellung, aber wenn das der Preis für den Frieden ist, bezahlt er diesen gerne, sagt er.

Als erstes besuchten wir eine Schule. In diesem riesigen Gebäude werden alle Kinder der sechs Hügel der Comuna unterrichtet. Führer waren Hügel eins und Hügel zwei verfeindet, weil unterschiedliche Gangs dort das Sagen hatten. Der Hass wurde von Generation nach Generation weitergegeben. Bis diese Schule gebaut wurde. Hier werden die Kinder gemeinsam unterrichtet, damit diese keinen Grund mehr sehen, sich gegenseitig zu hassen.

An der Schule angegliedert ist ein Sportplatz und ein Jugendzentrum. Dort sahen wir die Jugendlichen Tanzen, Fußballspielen oder sie beschäftigten sich mit Videospielen. Schließlich haben viele der Eltern lange Arbeitstage und können die Kinder nach der Schule nicht abholen. Hier können die Kinder Kinder sein und werden nicht von Gangstern zum Drogenhandel verführt. Kinder sind im Drogenhandel schließlich sehr beliebt, weil Kinder unter 13 Jahren von der Polizei nicht belangt werden können.

Je höher man in die Comuna 13 aufsteigt, desto mehr sieht man, welchen großen Stellenwert Kunst hat. Gerade Graffiti-Kunst. Sponsoren und Firmen bezahlen die Graffiti-Künstler für ihre bunten Kunstwerke.

An dem Hauptplatz in der Comuna waren drei große Graffitis an den Wänden. Diese standen für die indigene Bevölkerung, die aufgrund des Drogenkrieges aus ihren Ortschaften vertrieben wurden. Das zweite steht für die skrupellosen Drogenhändler. Das dritte symbolisiert die Digitalisierung und den Fortschritt durch Technik. Die Graffitis sind nicht nur wegen ihrer Größe beeindruckend, sondern auch, weil sie die Gefühle der Menschen in der Comuna zum Ausdruck bringen.

Über Rolltreppen kamen wir nach oben auf den Hügel. Von hier aus hatten wir einen tollen Blick über die Stadt und über die Breakdance-Auftritte. Hier wohnen nicht nur viele Künstler, hier gibt es auch eine Bar. Diese Bar wird von ehemaligen Drogendealern geführt, die das Kokain-Geschäft aufgeben haben, um Bier zu brauen.

Niemand wird als Krimineller geboren. Wenn man den Gangstern also eine Chance gibt, legal Geld zu verdienen, wird diese häufig genug dankend angenommen. Hier in der Comuna 14 herrscht schon lange keine Perspektivlosigkeit mehr. Inzwischen ist dieses ehemalige Armenviertel zu einer Kultur- und Kunsthochburg geworden, die Touristen anzieht. So schnell kann es gehen.





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