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Tag 107-108: Autorückgabe mit Umständen

Wir sind die letzten paar Stunden von Samaipata nach Santa Cruz gefahren, um den Mietwagen zurück zu geben. Auf der Fahrt ist uns leider das eh schon leicht defekte Autoradio komplett kaputt gegangen. Da der Touchscreen nicht besonders gut funktionierte, musste Max etwas stärker drücken und dadurch ist das Display gesprungen. Wir werden das wohl ersetzen müssen, aber wird schon nicht so viel kosten ...


Da wir das Auto gereinigt zurück geben mussten, fuhren wir als erstes durch die Autowaschstraße. Das war noch alles Handarbeit. Mehrere Arbeiter reinigten das Auto von außen und innen, während wir die dazugehörigen Katzen bespaßten.

Bei der Autovermietung glänzte das Auto zwar von außen aber innen wartete immer noch das defekte Radio. Der Mann von der Autovermietung meinte, dass die Reparatur 500 Euro kosten würde aber für uns könne er einen Spezialpreis von 400 Euro machen. Wir sagten ihm, dass das deutlich zu viel sei und er ist nochmal 50 Euro runter gegangen. Unter 350 Euro wollte er nicht mehr gehen.


Wir fragten ihn, warum die Radioreparatur so viel kosten soll wie in Deutschland und er sagte, dass die Arbeitskosten hier so hoch sein. Gerade haben vier Männer eine Stunde lang unser Auto für 10 Euro gewaschen und er erzählt uns allen Ernstes, wie hoch die Arbeitskosten in Bolivien sein...


Da er uns offensichtlich über den Tisch ziehen wollte, blufften wir, dass wir einen Freund hätten, der Mechaniker sei und das Radio für 200 Euro reparieren konnte. Okay, sagte der Vermieter und ich machte Anstalten mit dem Autoschlüssel zu gehen. Wir haben noch zwei Tage in Santa Marta. In der Zeit wird uns schon was einfallen, was keine 350 Euro kostet, dachte ich.


Dem Vermieter war es wohl nicht ganz recht, dass wir mit dem Auto davon fuhren, also stellte er uns seinen Chef-Mechaniker an die Seite. Wahrscheinlich hatte er Angst, dass wir ihn prellen oder so.


Der Mechaniker war ungefähr in unserem Alter und hieß Alejandro. Weil er ganz freundlich wirkte, erzählten ihm von unserem Dilemma und er begann zu lachen. 350 Euro, fragte er, ich kenne jemanden, der das für die Hälfte machen kann.


Da sein Chef unbedingt ein Original-Suzuki-Radio haben wollte, fuhren wir erst zu Suzuki. Die hatten das Radio nicht da, also fuhren wir weiter. Wir fuhren zu einem Ort, der so etwas war wie ein Offline-Amazon-Markt. Auf diesem Marktplatz gab es alles an Autozubehör, was man sich vorstellen kann. Von Plüschlenkradschonern über Radkappen bis hin zu Autositzen konnte man hier alles tauschen. Wir klapperten vier oder fünf der Stände ab, doch auch hier hatte keiner ein Suzuki-Radio. Der letzte Stand bot uns ein Pioneer-Radio an, was wahrscheinlich eh deutlich besser ist, als das von Suzuki.


Es wurde viel hin und her telefoniert und der Autovermieter willigte schließlich in dieses Radio ein. Dann verhandelte Alejandro noch ein bisschen mit den Mechanikern vom Markt und sie einigten sich auf einen Preis von umgerechnet 214 Euro. Plus 20 Euro Essen und Trinkgeld für Alejandro, dafür dass er uns geholfen hatte.

Als wir das Auto endgültig zurückgeben konnten, sagte Alejandro dem Autovermieter, dass wir das Doppelte bezahlt hätten. Dann ist der zufrieden und ihr seid es auch, sagte er.


Auch wenn heute ein sehr anstrengender Tag war, auf den ich auch gut hätte verzichten können, ist es schön zu sehen, wie hilfsbereit einige Menschen hier sind, und dass man mit ein bisschen Hartnäckigkeit Probleme lösen kann.

 
 
 

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