Tag 102-103: Salar de Uyuni
- Inga F.

- 19. Apr. 2022
- 4 Min. Lesezeit
Auf diesen Tag freue ich mich schon seit mindestens einem Jahr. Als ich angefangen habe, über Südamerika zu recherchieren, bin ich immer wieder auf diese einzigartige gigantische Salzwüste gestoßen. Also auf nach Uyuni!
Die Ortschaft an sich wirkt etwas trostlos aber umso herzlicher waren die Hosts im Hostel Eucalyptus. Im Gegensatz zu La Paz hatte unser Zimmer hier eine Heizung. Diese wurde auch bitter benötigt, weil es nachts hier -1°C kalt wurde. Was ganz cool war, dass die Möbel im Zimmer aus Salzstein waren.

Im Internet haben wir Tagestouren für 250€ gefunden, weshalb unser Lonely-Planet-Reiseführer uns vorgeschlagen hat, vor Ort zu buchen. Doch nach etwas Recherche haben wir dann doch noch eine Tagestour für 70 Euro pro Person bei Perla de Bolivia gefunden. Die waren bei Google Maps sehr gut bewertet, doch die wenigen schlechten Bewertungen waren, dass bei einer Mehrtagestour der Fahrer irgendwann so besoffen war, dass er die Tour nicht fortsetzen konnte. Da wir hofften, dass der Fahrer nicht direkt mittags am ersten Tag der Tour anfing zu saufen, buchten wir die Tour.
Mit uns trafen am Reisebüro ein österreichisches Pärchen, eine Frau aus München und zwei Engländer ein, die noch mit ihrer Lebensmittelvergiftung zu kämpfen hatten. Offensichtlich hatten sie keine Reiserücktrittsversicherung, sodass das Damoklesschwert des Brechdurchfalls ständig über ihnen schwebte. Gar nicht mal so angenehm in einer 12.000 km2 großen Wüste ohne jegliche Toiletten.

Erster Halt der Tour war der Cementerio de Trenes. Hier lagern alte Eisenbahnen und rosten vor sich hin. Da die Eisenbahnen dem Staat gehören, dürfen die Einwohner das Altmetall nicht recyclen. Zwar gibt es noch eine aktive Eisenbahnstrecke allerdings dient diese nur dem Güterverkehr und nicht der Personenbeförderung. Diese wurde während Corona eingestellt, da sie sich nicht mehr gelohnt hat. Also dient der Eisenbahnfriedhof tagsüber den Touristen als Fotokulisse und abends feiern hier die Jugendlichen aus Uyuni.

Als nächstes hielten wir bei einem kleinen Marktplatz. Hier konnten wir uns ansehen, wie aus den großen Salzblöcken, die in der Uyuni abgebaut werden, feinkörniges Speisesalz entsteht. Die Uyuni dient ganz Bolivien als Salzquelle. Das Salz wird nicht exportiert und die Salzgewinnung ist komplett Handarbeit. Wir fragen uns schon, warum dieses Salz nicht maschinell verarbeitet und exportiert wird, aber wahrscheinlich wird dadurch der Verlust von Arbeitsplätzen befürchtet. Unter der Uyuni-Salzwüste liegt auch der größte Lithium-Vorkommen der Welt, was unter anderem für Akkus der E-Autos gebraucht wird. An dem Abbau von diesem sieht man schon die Zerstörung der Natur. Wahrscheinlich wird befürchtet, dass wenn man das gleiche mit dem Salz macht, noch mehr noch schneller die Natur zerstört wird und ausländische Großinvestoren das Business schneller übernehmen als man gucken kann.

Natürlich wurde hier nicht nur Salz verkauft. Für einen 10er habe ich mir noch Strickhandschuhe und Alpaca-Wollsocken gekauft. Die braucht man abends hier wirklich.

Dann ging es auch schon in die Salzwüste. Die Wüste ist so weiß und groß, dass man sie sogar vom Weltall aus sehen konnte. Neil Armstrong soll sich bei seiner Mondlandung wohl über diesen hell scheinenden Punkt auf der Erde gewundert haben. Also machte er sich auf, diesen zu besuchen. Natürlich hinterließ er auch hier wie auf dem Mond seine Landesflagge. Viele andere machten ihm es gleich, sodass hier alle Flaggen aus aller Herren Länder hängen. Sogar Bayern haben wir gefunden.

2017 führte die Rally Dakar an der Salzwüste entlang. Diverse große und kleine Staturen zeugen davon. Tatsächlich hatte die Kulisse ein bisschen was von "Mad Max". Die UV-Strahlung war so intensiv, dass unser Guide mit Skibrille Auto fuhr. Aus dem Nichts tauchten Lkw in der Wüste aus, die das Salz von hier aus nach Oruro zur Fabrik fuhren. Man fühlt sich hier ein bisschen wie in einer anderen Welt.

Ein Highlight der Tour war das Picknick mitten in der Salzwüste. Für alle außer für die Engländer natürlich. Während unser Guide zusammenpackte, durften wir einen kleinen Verdauungsspaziergang durch die Salzwüste machen. Während einige der Gruppe sich einen Ort zum Erbrechen suchten, waren wir etwas unschlüssig. Was ist, wenn wir uns verlaufen? Unser Guide sagte, dass es bei so gutem Wetter kein Problem sei. Man kann kilometerweit schauen uns sich an Punkten am Horizont und an der Sonne orientieren. Doch was ist bei schlechtem Wetter? Hilft da unser Kompass? Leider nein. In der Salzwüste herrscht so viel Magnetismus, sodass ein Kompass hier nutzlos ist. Also bei schlechtem Wetter die Salzwüste meiden.

Als sich alle wieder besser fühlten, wollten wir "funny pictures" machen. Wir waren uns nicht sicher, was das heißen sollte. Auf jeden Fall packte unser Guide ein Platikmonster aus, gegen das wir "kämpfen" sollten. Dadurch, dass es in der Salzwüste keinen Anhaltspunkt für Größe und Distanz gibt, sieht es aus einer gewissen Perspektive tatsächlich so aus, als würde man mit einem gigantischen Monster boxen. Diese Fotos beflügelten unsere Kreativität und so wurde alles Mögliche an Perspektiven ausprobiert.

Wir machten noch einen Zwischenstopp bei dem "Stairway to Heaven". Künstler hatten hier aus Salzblöcken eine Treppe gebaut. Wenn die Salzwüste nass ist uns stark spiegelt sieht es so aus, als ob die Treppe vom nichts ins nichts führt. Aber auch ohne Wasserspiegelungen sind schöne Fotos entstanden.

Aprospos Wasser: Jetzt wurden Gummistiefel verteilt und es ging dem Sonnenuntergang entgegen. Das war das atemberaubendste, was ich jemals in meinem Leben gesehen hatte! Dadurch, dass hier Wasser stand, spiegelte sich der Himmel mit allen seinen Farben.

Wo kommt dieses Wasser eigentlich her? Natürlich vom Regen. Aber auch aus Quellen. Die Salzwüste liegt eigentlich auf einem See. An einigen Stellen ist die Salzschicht nur wenige Zentimeter tief und man kann hier ins tiefschwarze Wasser schauen.

Außer Salz gibt es hier natürlich nicht so viel. Angeblich gibt es in Uyuni so wenig Corona-Fälle, weil das Salz, aus dem, wie bereits erzählt, sogar Möbel gebaut werden, sämtliche Viren abtötet. In so einer Umgebung können natürlich auch keine Pflanzen oder Tiere überleben. Es gibt nur ein Bakterium, dass hier zurechtkommt und deshalb auch nach der Uyuni benannt ist.

Wir ließen dann den Abend mit einem Glas Rotwein ausklingen und völlig fasziniert ging es dann wieder nach Hause ins keimfreie Hostel.





Kommentare